Auslandsprojekt auf Malta

Im Februar und März 2026 hieß es für uns sieben Business Information Systems Studenten Abschied nehmen vom bayerischen Winter. Unser Ziel: Die University of Malta. Was uns erwartete, war eine intensive Mischung aus agiler Software-Entwicklung, mediterranem Lebensgefühl und einem Teamspirit, der uns durch fünf ereignisreiche Wochen tragen sollte.

Anreise und Unterkunft

Unsere Reise startete gemeinsam am Flughafen München. Nach nur zwei Stunden landeten wir bei 20°C und machten uns per Uber auf den Weg nach Gżira. Da wir eine vergleichsweise große Gruppe waren, hatten wir zwei Wohnungen im selben Haus gemietet. Das Herzstück unseres WG-Lebens war die Dachterrasse einer der Wohnungen. Hier starteten wir mit gemeinsamen Frühstücken in den Tag oder ließen die Abende bei Sonnenuntergang ausklingen. Für gemeinsame Teammeetings nutzen wir dafür die andere Wohnung, da diese platztechnisch mehr bot – eine perfekte Kombination beider Wohnungen. Die Lage war ebenfalls klasse: Zur Universität liefen wir etwa 20 Minuten und für den sportlichen Ausgleich gab es ein öffentliches Schwimmbad sowie eine Laufstrecke direkt um die Ecke. Und wenn uns der Sinn nach Kultur aber auch Trubel stand, waren wir mit dem Uber in nur 10 Minuten im historischen Valletta.

Unser Projekt: Digitale Hilfe für die überaktive Blase

An der University of Malta arbeiteten wir unter der Betreuung von Prof. Farrugia an einem medizinischen Rahmenprojekt zum Thema OAB (Overactive Bladder). Ziel war es, Personen, die von einer überaktiven Blase betroffen sind, im Alltag technologisch zu unterstützen. Bei OAB handelt es sich um die Erscheinung, den Drang nach einem Toilettengang zu verpüren, obwohl die Blase nicht voll ist. Die Ursachen dafür sich vielfältig.

Als Einstieg in das Projekt führten wir alle gemeinsam eine Business-Analyse durch, um das Geschäftsmodell auf Herz und Nieren zu prüfen. Ziel war es, eine Grundlage für die Vorstellung des Projekts für Finanzierung zu schaffen. Danach teilten wir uns in zwei Untergruppen auf:

  1. Team Prototyping: Dieses Team entwickelte mit Figma einen klickbaren Prototypen der App. Die Anwendung zeigt nicht nur den aktuellen Blasenfüllstand an, sondern bietet auch gezielte Übungen an. In akuten Dringlichkeitssituationen gibt die App Empfehlungen – zum Beispiel spezielles „Gehirntraining“, um den Harndrang zu kontrollieren, wenn der Füllstand eigentlich noch niedrig ist.
  2. Team Data Science: Diese Gruppe hatte die Aufgabe die technische Basis im Data Science Bereich zu schaffen. Da OAB ein für Betroffene häufig ein unangenehmes Gesprächsthema ist, gibt es kaum Realdaten. Das Team generierte daher ein synthetisches Datenset, was zeitintensive Recherche zu Symptomen und Patienteneigenschaften erforderte. Darauf basierend entwickelten sie Algorithmen, die OAB-Unterkategorien diagnostizieren und personalisierte Handlungsempfehlungen ausgeben, sobald der User in der App den „Dringlichkeits-Button“ drückt.

Beide Teams haben sehr eng zusammengearbeitet – denn schließlich sind die Schnittpunkte zwischen der technischen Basis und der Darstellung in der Applikation direkt von einander abhängig. Welche Daten muss das Prototyping-Team abfragen, damit das Data Science-Team sie im Hintergrund korrekt auswerten kann? Dank enger Absprachen konnten wir hier eine nahtlose Lösung finden.

Freizeit und Kultur

Malta im Februar bedeutet nicht nur Sonne, sondern auch Ausnahmezustand: Karneval! Wir waren als Zuschauer bei den Tanzveranstaltungen in Valletta dabei und ließen uns von den riesigen, bunten und mechanisch bewegten Festwagen beeindrucken. Die Stimmung in den vollen Gassen war einfach ansteckend.

Unsere Wochenenden nutzten wir außerdem für Erkundungen:

Sizilien-Trip: Ein absolutes Highlight war der Tagesausflug nach Catania auf Sizilien. Auf dieser Nachbarinsel befindet sich neben einer wunderschönen Altstadt auch der aktive Vulkan Ätna. Dort konnten wir auf den verschneiten Kratern spazieren und dass Resultat eines spannenden Naturereignisses ganz nah erleben

Gozo: Die kleine Schwesterinsel Maltas beeindruckte uns mit ihrer rauen Natur und den steilen Klippen. Die Ausblicke, die Gozo bietet, sind unübertroffen. Nach Gozo brachte uns eine Linienfähre.

Paceville: Wer das maltesische Nachtleben sucht, kommt an den Clubs in Paceville nicht vorbei – perfekt, um nach einer produktiven Woche abzuschalten.

Kulinarik

Wer auf Malta keines der legendären Pastizzi probiert hat, hat definitiv etwas verpasst. Ob mit Käse, Fleisch oder Erbsenfüllung – für unschlagbare 50 Cent pro Stück waren sie unser Dauerbegleiter. Jeder von uns hatte schnell seinen persönlichen Favoriten. Aber auch die Pizza auf Malta hat uns positiv überrascht und war ein Standard bei unseren gemeinsamen Koch- (oder Liefer-) Abenden. Außerdem halt Malta ebenfalls starke Einflüsse aus England, was sich kulinarisch vor allem in dem häufigen Angebot von Full English Breakfasts erkennen lässt.

Fazit

Nach fünf Wochen traten wir gemeinsam die Heimreise nach München an – im Gepäck einen fertigen „Proof of Concept“ und viele neue Erinnerungen. Was ich persönlich mitnehme? Gute Organisation ist alles. Trotz unserer für ein Auslandsprojekt beachtlichen Gruppengröße von sieben Personen haben wir bewiesen, dass man durch klare Struktur und Kommunikation extrem effektiv und effizient arbeiten kann. Malta war für uns nicht nur ein akademischer Erfolg, sondern auch eine außerordentlich erfolgreiche Lektion in Sachen Teamwork.