Vier Wochen Requirements Engineering, Meer und Melting Pot an der US-Ostküste
Einen Monat lang an der Salem State University arbeiten, in einem Haus fünf Gehminuten vom Meer wohnen und nebenbei die Ostküste der USA erkunden: genau das durften wir, Leon, Louis, Philipp, Renata und Anne, im Rahmen unseres Auslandsprojekts erleben. Vom 24.07. bis zum 24.08. haben wir in einer Unterkunft in Quincy gewohnt und sind von dort aus dienstags und donnerstags zur Salem State University gefahren, um an unserem Softwareprojekt zu arbeiten. An den restlichen Tagen haben wir remote bzw. von zuhause aus weitergearbeitet.
Zwischen Uni-Meetings, Strandtagen, einer Menge neuer Eindrücke und der ein oder anderen Städtereise ist ordentlich was zusammengekommen.
Unsere Unterkunft in Quincy
Die gesamten vier Wochen haben wir in einem Haus in Quincy gewohnt, einem Vorort südlich von Boston, der nur fünf Gehminuten vom Meer entfernt liegt. Das hat sich schnell als echter Glücksgriff herausgestellt: Nach der Arbeit ging es oft direkt an den Strand, und generell haben wir die Nähe zum Wasser sehr genossen.

Da wir uns selbst versorgt haben, haben wir sehr viel zusammen gekocht, was nicht nur Geld gespart hat, sondern auch ein schöner Ausgleich zum Uni-Alltag war. Für die Wege zur Uni, zum Einkaufen und für Ausflüge hatten wir einen Mietwagen, was uns deutlich flexibler gemacht hat.
Wer allerdings denkt, Autofahren in den USA sei grundsätzlich entspannt, wird in Boston eines Besseren belehrt: Der Verkehr dort gehört zu den chaotischsten, die wir je erlebt haben: enge und verwinkelte Straßen, unübersichtliche Kreuzungen und gefühlt ständig Stau. Nach ein paar Wochen hatten wir uns aber halbwegs daran gewöhnt.
Unser Projekt: „Training Ground“
Für unser Auslandsprojekt haben wir an Training Ground gearbeitet, einer Web-App, die Studierende beim Erlernen von Requirements Engineering unterstützen soll. Betreut wurden wir dabei von unserem Professor Allan.
Technisch basiert die Anwendung auf Next.js mit Tailwind CSS für das Frontend sowie Supabase für Authentifizierung und Nutzerprofile.

Die KI-Funktion als Herzstück
Das Kernstück von Training Ground ist die KI-gestützte Übungs- und Bewertungsfunktion. Die Idee dahinter:
- Eine Lehrperson kann ihren eigenen API-Key für ein LLM ihrer Wahl hinterlegen, wodurch die App nicht an einen bestimmten Anbieter gebunden ist.
- Auf Basis dieses Modells lässt sich per Knopfdruck ein Quiz zu Requirements-Engineering-Themen erzeugen.
- Studierende beantworten die Fragen im Freitext, indem sie ihre Lösung selbst eintippen. Es handelt sich also nicht um Multiple-Choice.
- Anschließend bewertet dasselbe LLM die eingetippte Antwort automatisch und gibt Feedback dazu.
Für uns war das fachlich der spannendste Teil des Projekts: Wir haben uns intensiv mit der Anbindung verschiedener LLM-Anbieter, mit Prompting und mit der Frage beschäftigt, wie man die Bewertung einer frei formulierten Antwort möglichst fair und nachvollziehbar gestaltet.
Weitere Funktionen: Kurse, Übungsmodi & Gamification
Neben der KI-Funktion haben wir noch eine ganze Reihe weiterer Features gebaut, die die App im Uni-Alltag nutzbar machen:
- Multiple-Choice-Übungen: Neben dem Freitext-Modus gibt es klassische Multiple-Choice-Aktivitäten wie „Identify Weak User Stories“ oder „Identify Weak Acceptance Criteria“, bei denen Studierende aus mehreren Antworten die schwächste User Story bzw. das schwächste Akzeptanzkriterium herausfinden müssen, inklusive einer Erklärung, warum eine Antwort richtig oder falsch ist. Der Schwierigkeitsgrad steigt dabei in drei Stufen, und wer eine Stufe mit mindestens 75 % besteht, schaltet die nächste frei.
- Kurse: Lehrpersonen können eigene Kurse anlegen, für die es jeweils einen individuellen Beitrittscode gibt. Studierende treten damit einem Kurs bei und können sich sogar in mehreren Kursen gleichzeitig befinden. Statistiken, Quizze und die Rangliste lassen sich dadurch sauber pro Kurs auswerten, statt alles in einen Topf zu werfen.
- Eigene Fragenkataloge & zusammengestellte Quizze: Lehrpersonen sind nicht auf die eingebauten Übungen beschränkt, sondern können eigene, themenbezogene Fragenkataloge anlegen, daraus individuelle Quizze zusammenstellen und einzelne Fragen gezielt ergänzen oder ausschließen. Beim Anlegen eines Katalogs lässt sich außerdem wählen, ob es ein klassisches Multiple-Choice-Quiz oder eben ein LLM-bewertetes Freitext-Quiz werden soll.
- Leaderboard: Studierende sehen, wie sie im Vergleich zu ihren Kommiliton:innen abschneiden, und zwar sowohl kursweise als auch kursübergreifend, inklusive einer Anzeige, ob man im Vergleich zum letzten Blick auf die Rangliste auf- oder abgestiegen ist.
- Dashboard für die Lehrperson: Jede Lehrperson mit einem Instructor-Account bekommt eine Übersicht über alle Studierenden in ihren Kursen: wer welche Quizze bereits bearbeitet hat, wie die Ergebnisse ausgefallen sind und wo es eventuell noch Nachholbedarf gibt. Bei uns war das entsprechend Allan, der das für seine Kurse an der Salem State University genutzt hat.
- Gamification-Elemente: Dazu gehören ein kumulativer Punktestand über alle Aktivitäten hinweg, freischaltbare „Mastery Titles“ (z. B. „Story Apprentice“) für erreichte Schwierigkeitsstufen, eine tägliche „Daily Challenge“ mit doppelten Punkten sowie ein Streak-System, das zeigt, an wie vielen Tagen in Folge man geübt hat.
- Öffentliche Profile: Auf dem Leaderboard lässt sich das Profil von Kommiliton:innen anklicken. Dort sieht man Avatar, Biografie, Punktestand und Titel, aber bewusst keine echten Namen oder sonstigen persönlichen Daten.
- Dazu kommen die klassischen Grundfunktionen wie Login, Registrierung und individuelle Nutzerprofile, über Supabase realisiert, sowie eine kurze Onboarding-Tour für alle, die die App zum ersten Mal öffnen.
Uns war dabei wichtig, dass die App nicht nur für einzelne Studierende, sondern auch für die Lehrperson selbst einen echten Mehrwert bietet, denn schließlich soll Allan das Tool auch über unser Projekt hinaus in seinen Kursen einsetzen können.
CSV-Export für die Forschung
Jede Lehrperson mit einem Instructor-Account kann für ihre Kurse einen depersonalisierten CSV-Export der gesammelten Nutzungsdaten abrufen, der vor allem für Forschungszwecke gedacht ist. Die Daten werden dabei automatisch anonymisiert, sodass keine Rückschlüsse auf einzelne Studierende möglich sind. Für uns war das besonders relevant, weil Allan die Daten aus unserem Kurs für seine eigene Forschung nutzen möchte.
Zusammenarbeit mit der Salem State University
Dienstags und donnerstags hatten wir feste Meetings mit Allan direkt an der Uni, in denen wir unseren Fortschritt vorgestellt und neues Feedback bekommen haben.
Ein Teammitglied, Karwan, konnte leider nicht mit nach Boston reisen, weil er kein Visum bekommen hat. Er hat das gesamte Projekt über remote mitgearbeitet, und das hat trotz Zeitverschiebung und fehlender persönlicher Anwesenheit wirklich gut funktioniert.
An unserem ersten Meeting-Tag gab es zusätzlich eine Campus-Tour: Wir haben unter anderem die campuseigene Polizeistation und ein Wohnheim besichtigt und insgesamt einen guten ersten Eindruck vom amerikanischen Campusleben bekommen. Am selben Abend haben wir uns außerdem mit einer Ansprechperson aus dem International Office und Allan auf einer Rooftop-Bar getroffen, was ein toller, lockerer Einstieg in unseren Aufenthalt war.

Ein weiteres Highlight war ein Barbecue bei Allan zuhause, bei dem wir auch abseits der Uni noch einmal richtig ins Gespräch gekommen sind.
Salem und die Hexengeschichte
Etwa eine Woche nach unserer Ankunft haben wir an einer Trolley-Tour durch Salem teilgenommen, der Stadt, die durch die Hexenprozesse von 1692 weltbekannt geworden ist. Dabei haben wir jede Menge über die Geschichte der Hexenverfolgung erfahren und einige der historischen Schauplätze besucht. Ein wirklich spannender und leicht gruseliger Ausflug, der uns definitiv im Gedächtnis bleiben wird.
Freizeit und Ausflüge
Auch Boston selbst haben wir ausgiebig erkundet, und sportlich waren wir ebenfalls aktiv: Mehrmals die Woche sind wir gemeinsam ins Gym gegangen.
Zu unseren größten Ausflügen gehörten:
- ein Wochenende in New York City


- ein Wochenende in Montreal, kurz vor Ende unseres Aufenthalts

- ein Ausflug nach Cape Cod
- mehrere schöne Strandtage in der Umgebung von Boston
Kosten
Ein Punkt, der für alle, die selbst so einen Aufenthalt planen, ziemlich relevant sein dürfte: das Budget. Für das J1-Visum mussten wir jeweils rund 400 US-Dollar bezahlen. Dazu kam eine Gebühr an die Uni bzw. an unseren Prof in Höhe von etwa 507 US-Dollar.
Der Rest der Kosten setzte sich aus den laufenden Ausgaben zusammen: Unterkunft über Airbnb, der Mietwagen, Essen sowie unsere Ausflüge nach New York City und Montreal. Insgesamt sind wir damit auf Gesamtkosten von rund 5.000 Euro gekommen. Mit etwas mehr Sparsamkeit wäre wahrscheinlich auch ein Budget von rund 4.000 Euro machbar gewesen, deutlich weniger allerdings kaum.
Unser Fazit
Der Auslandsaufenthalt in Boston war für uns sowohl fachlich als auch persönlich eine großartige Erfahrung. Die Arbeit an Training Ground hat uns nicht nur technisch weitergebracht, sondern durch den engen Austausch mit Allan auch gezeigt, wie viel man von einer anderen Universität und einem anderen akademischen System mitnehmen kann.
Dazu kamen unvergessliche Ausflüge, neue Eindrücke und die Erfahrung, einen Monat lang in einem fremden Land zu leben und zu arbeiten.
Für alle, die selbst über ein Auslandsprojekt nachdenken: Traut euch! Auch wenn Organisation, Visum-Kram oder die Entfernung erstmal abschreckend wirken: Die Erfahrung ist es definitiv wert.
Und falls das immer noch nicht reicht:












































































