Anreise Teil 1: elf Autostunden an die Normandie

Aus dem Fahrtenlogbuch vom 17. Januar 2016.

17.01, 01:30 a.m. (UTC+1)

das fahrbereite Auto

Pünktlich wie vereinbart und nach einer doch recht kurzen Nacht treffen Flo und ich uns an der Ara* Tankstelle in Dasing. Nach grünen Weihnachten, einem schneefreien Silvester und dem allgemein wärmsten Winter seit Jahren fallen genau in dieser Nacht zwei Zentimeter weißer, rutschiger und die Fahrt bremsender Schnee. Da wirken die beiden Räder auf dem Dach doch eher unpassend.

Aber guter Dinge und voll Euphorie wird Flos GoPro an der Windschutzscheibe montiert (Nach kurzer Abstimmung mit der Linse nach Außen) und wir starten auf die A8.

17.01, 01:45 a.m. (UTC+1)

Es ist sooo laut. Mit Gegenwind und zwei Fahrrädern auf dem Dach macht die Autobahn nur halb so viel Spaß. Irgendwie ist da auch so ein Surren im Ohr.

17.01, 02:00 a.m. (UTC+1)

Die Fähre. Die Fähre fährt in Frankreich ab. Und auf dem Ticket steht was von der Abfahrtszeit um 17:00. Ist das dann 17:00 deutscher Zeit? Oder Französischer? Oder gibts da keinen Unterschied? Ich hatte immer so das Gefühl als hätten die Franzosen irgendwie schon eine andere Zeitzone als wir.

Also rechnet man ein bisschen herum: 17:00 minus eine Stunde und minus noch eine Stunde weil man ja rechtzeitig zum Check-In vor Ort sein soll. Späteste Ankunft um 15:00 in Cherbourg? Das wird sportlich, weil uns jetzt schon auffällt, dass die Google-Navigation die Ankunftszeit fünminütlich nach hinten korrigiert. Gerade so als wüsste GOOGLE nicht, dass wir mit Gepäckträger unterwegs seien, wo wir doch darüber gechattet hatten.

17.01, 03:44 a.m. (UTC+1)

Uhrzeit == Restkilometerstand

höhö. Uhrzeit == Restkilometerstand. Das ist so.. außergewöhnlich!!einself111!

17.01, 04:15 a.m. (UTC+1)

Es wird ruhig auf dem Dach. Zu ruhig. Da fehlt das ständige Hintergrundsummen der Fahrräder.

Nach kurzem Kontrollgriff aber die Erleichterung. Und noch eine Erleichterung: Je nach dem wie man das mit den Zeitzonen rechnet wirds entweder extrem stressig, oder wir müssen uns noch zu Tode langweilen.

Das Problem ist jetzt aber, dass wir inzwischen jenseits der Zivilisation im wilden Frankreich sind. Ohne Datentarif und WiFi. Hin- und Hergerissen zwischen Hast und Entspannung bestimmt dann aber eine höhere Macht über unsere Reisegeschwindigkeit: Die Franzosen setzen den Erlös Ihrer Autobahnmaut wohl vor allem für den Lohn ihrer Straßenarbeiter ein, denn die beiden Schneeräumer vor uns lassen sich bei ihrer Arbeit so dermaßen viel Zeit, dass es doch leicht verwunderlich ist, dass hinter Ihnen immer noch gleich viel Schnee liegen bleibt.

17.01, 05:50 a.m. (UTC+1?)

Hier kann nicht viel passiert sein. Flo ist gefahren, ich habe geschlafen. So sorgt jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten für eine sichere Fahrt.

17.01, 09:00 a.m. (UTC+0?)

Irgendein Teil von Frankreich ist voll von großen, betonierten Salz- und Pfefferstreuern (Verlinkt man hier). Wir wissen nicht dass das Wassertürme sind und so bekommt Flo einen Auftrag für ein fünf-minütiges Kurzreferat über diese Türme für den ersten Abend in der Wohnung. Im Radio läuft gerade die Freak Show vom Dezember 2015. Bevor Wir uns aber mit in die Diskussion einklinken können ob jetzt Apple bessere Notebooks herstellt als jemand anders probieren wir die gute Irlandplaylist aus. Die ist gut.

17.01, 11:00 a.m. (UTC+0?)

Die Reiseplaylist „Irland gut“ wird gegen „Irland schlecht“ ausgetauscht. Kann am Schlafmangel liegen, dass der Ketchup Song, Britney Spears und Dj Ötzi auf einmal wirklich wirklich gute Musik machen! Die Stimmung im Auto droht dann auch irgendwie zu eskalieren, bis Wolfgang Petry uns dann wieder auf den Boden holt.

17.01, 12:10 a.m. (UTC+0?)

Wir haben Hunger. Und wir sind in Frankreich. Dem Land das für Essen bekannt ist. (Immerhin erinnert uns der Name jeder zweiten Region an eine Spezialität). Also suchen wir nach einem McDonalds. Das ist so ein Raststätten-Hopping. Von Hinweisschild zu Hinweisschild reden wir uns ein doch irgendwann auf einen MC stoßen zu müssen. Das goldene M irgendwo in Frankreich, irgendwo neben einem Baumarkt ist dann eine Erlösung. Wir zeigen mit den Fingern auf Burger, nuscheln „wuie“ und loggen uns ins WLAN ein um in Ruhe essen zu können.

17.01, 12:10 a.m. (UTC+1)

Keine Zeitverschiebung. Also alles gut. Danke Google.

17.01, 14:45 a.m. (UTC+1)

Cherbourg Octeville

Nach 60€ Maut für Frankreichs schönste Autobahnen werden die Straßen zum Feldweg. Muss dann also dem Ende zugehen. Wir wollen noch einmal tanken und fahren an eine Selbstbedienungstanke am Zielhafen. So eine ganz normale Selbstbedienungstanke. Bei der man sich das Tanken so unkompliziert vorstellt wie Tanken nunmal ist: Karte in den Automaten, tanken, paar Mal auf dem Display bestätigen und gut is.

Aaaaber Pustekuchen. Drei Anläufe hat uns die Zapfsäule abblitzen lassen, mit imaginären Rechnungsbeträgen, Kreditkartensumms und sonstigen Meldungen die sich so gelesen haben, als wäre Flo mit seiner Karte gerade weit in den Dispo gerutscht, bis irgendwann die Pumpe ansprang und wir Zahlen konnten. Und weil das dann auch irgendwie alles gepasst hat und zumindest die Tanknadel wieder auf Anschlag war, ging es auf die letzten Meter Richtung Fähre.

weiter zu Teil 2

Autor: Tobias

Tobias Fehrer, studiert Wirtschaftsinformatik in Augsburg. Hat davoniren.de für sein Auslandssemester in Nordirland 2016 ins Leben gerufen

3 Gedanken zu „Anreise Teil 1: elf Autostunden an die Normandie“

  1. Komm jetzt mal dazu, euren Blog chronologisch zu lesen. 😀 Ich hoffe, ihr habt die Kurzreferate aufgezeichnet? Solche Traditionen sollten für die Ewigkeit festgehalten werden. 😉
    Die Playlists werden natürlich fleißig weiter befüllt für den Rückweg. 🙂

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